Freies Geld

Bitcoin, Wert, Freiheit

Peer-to-Peer: Ripple

Ich überlegte mir schon eine Weile, wie sich das Peer-to-Peer-Konzept (P2P) anschaulich darstellen läßt. Da kommt mir ein sehr interessantes Fundstück zu Hilfe: Ripple, ein Peer-to-Peer-Bezahlsystem im Internet (eine Art freies „P2P-Paypal“), das einem jahrhundertealten Geldtransfersystem nachempfunden ist (siehe Ursprung/Hawala weiter unten).

Gegenüberstellung: zentral - dezentral

Client-Server | Peer-to-Peer

Genauer gesagt geht es bei Ripple um den Spezialfall eines Friend-to-Friend (F2F)-Netzwerks. D.h. es tauschen sich nicht einfach nur Gleichberechtigte (Peers) miteinander aus, sondern es verbinden sich nur Bekannte miteinander und bilden so ein Vertrauensnetzwerk. Vergleichbar ist das mit aktuellen sozialen Netzwerken. Dort gibt es meistens eine Funktion, mit der sich herausfinden läßt, über wieviele „Zwischen-Bekanntschaften“ ein beliebiger Teilnehmer mit einem anderen verbunden ist. Bestehen zwischen den Vermittlern in der Kette tatsächliche Vertrauensbeziehungen, läßt sich das nutzen, um Geld vertrauenswürdig weiterzureichen bis zum Empfänger, zu dem der Sender u.U. keine direkte Vertrauensbeziehung hat. Auf dieser Idee fußt Ripple. Eigentlich ist es sogar noch einfacher: Für die Zwischenstationen genügt es, lediglich Zahlungsverpflichtungen weiterzureichen. Bei größerem Aufkommen können diese dann irgendwann direkt miteinander verrechnet werden, ohne daß noch Geld ausgetauscht werden muß. Ab diesem Zeitpunkt dient Ripple dann sogar als echte Alternativwährung, die zunehmend unabhängig wird von äußeren Währungen. Die Software läßt sich auf Internetservern installieren und funktioniert über eine Web-Oberfläche. Sie übernimmt insbesondere die Arbeit, Pfade über Zwischenstationen aufzufinden und Forderungen miteinander zu verrechnen.

Ripple-Projekt:

Betrachtung

Vorteil: Ripple läßt sich sofort benutzen, ist von Währungen unabhängig, stärkt lokalen Austausch – könnte auch interessant sein für Bitcoin als Währungstauschplattform.

Nachteil: Praktisch werden immer noch bestehende Währungen genutzt. Als reines Transfersystem bietet es nur bedingt Schutz gegen Hyperinflation und Bargeldverbote und damit noch keine Alternative zu zentralistischem Staatsgeld, auch wenn es schon weiterhilft. Gegen Paypal-Frust hilft es allemal. – Der wichtigste fehlende Punkt ist, daß noch keine Vernetzung von einzelnen Ripple-Servern möglich ist. D.h. jede Ripple-Seite baut ihre eigenes Vertrauensnetzwerk auf. Das Peer-to-Peer-Konzept ist hier nur zwischen den Benutzern, also auf der logischen Ebene des Dienstes verwirklicht, technisch betrachtet folgt Ripple immer noch dem zentralistischen Ansatz mit einem Server, und ist damit zu leicht angreifbar.

Genau wie bei Bitcoin kam beim Ripple-Projekt die erste Version der Software 2009 heraus. Neue Währungen, dezentrales Geld, vernetzte Bezahlsysteme, Marktgeld sind eine nicht mehr aufzuhaltenden Idee und es ist spannend, diese Entwicklung mitzuverfolgen. Gerade wenn das derzeitige System aufgrund seines eigenen Gewichts und seiner Fehlkonstruktion zusammenbricht, und die Obrigkeit nur noch Richtung faschistischer Maßnahmen schielen kann, braucht es dringend Alternativen.

Ursprung: Hawala

Ripple wurde wie schon erwähnt einem der schnellsten und günstigsten Transfersysteme der Welt nachempfunden, das auch heute noch in großem Umfang funktioniert. In einige asiatische Kulturen ist es tief eingebettet und wird dort mit höchsten ethischen Ansprüchen unter gegenseitiger sozialer Kontrolle betrieben.
Bekannt ist es v.a. als Hawala in islamisch geprägten Ländern, Fei Chien oder Flying Money heißt es in China, Hundí in Indien und Pakistan.

Was noch kommt

Ob Ripple, Bitcoin, c-Gold, etc. Egal welche Alternativen Fahrt aufnehmen, es steigt immer dem aktuellen System auf die Füße und das wird sich wehren. Deswegen ist es wichtig, die altbekannten Maschen der Propaganda zu erkennen und als manipulativ zu durchschauen: Zuerst werden negativ besetzte Schlagwörter aus dem Hut gezogen (Kriminalität, Geldwäsche, Drogenhandel, Terrorismus, etc.), mit denen Ablehnung und eine unterschwellige trotzige Reaktion ausgelöst werden sollen, die zuerst einmal vom Manipulierenden und dessen Interessen ablenkt. Weiter soll der Empfänger in seiner Reaktion so denken: „Ich bin ein anständiger Bürger, der nichts zu verbergen hat. Dem Übel muß das Handwerk gelegt werden, also soll der Staat diese undurchsichtigen, unüblichen,  illegalen Handlungssweisen und -wege zerschlagen.“ – der Rest ist bekannt. Ähnliche Schmutzkampagnen werden bestimmt noch verstärkt kommen, auch gegen das Internet im Allgemeinen. Eines der beliebtesten „Argumente“ ist hier ja Kinderpornographie,aber auch Terrorismus und Kriminalität wird gern genommen, oder gleich solche abstrusen Denkblocker wie rechtsfreier Raum.

Video

Überblick zu Ripple und ein Minimum an Geldtheorie (neuseeländisches Englisch):

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