Freies Geld

Bitcoin, Wert, Freiheit

Kategorie-Archiv: Politik

Bitcoin in Buch über unser Geldsystem

In den letzten Tagen habe ich mit großem Interesse das soeben erschienene Buch von Gerd-Lothar Reschke

„Vom Falschgeldsystem zum freien Marktgeld“ gelesen.

Bitcoin wird darin erwähnt als eine erste neue Form von Marktgeld, das eine unumgängliche Entwicklung darstellt, eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen:
Eine unverzichtbare Lektüre für alle, die sich dafür interessieren, was Geld eigentlich wirklich ist. Jeder kennt die Lage, daß anscheinend immer mehr Arbeit nötig wird und immer weniger Geld bzw. Wert und Kaufkraft übrigbleiben, daß alles immer schneller und problematischer zu werden scheint und daß die versprochenen Erleichterungen und Vereinfachungen durch Technik und Fortschritt eine ewige unerreichbare Karotte vor der Nase des Esels bleiben. Ein maßgeblicher Grund dafür ist unser Geld und unser Denken darüber. Im Buch wird nicht nur erklärt, wie uns echtes Geld trickreich vorenthalten wird, sondern wie Geld zu einem der ausgeklügeltsten Zaubertricks unserer Zeit wurde, mit dem mittlerweile – ohne zu übertreiben – fast die gesamte Menschheit systematisch geschröpft und versklavt wird.

Ganz anders als viele alternative Veröffentlichungen zu dem Thema kommt der Autor völlig ohne Aufregung, Demagogie oder subversiven Verschwörer-Pathos aus. Ganz im Gegenteil: Hier werden Zusammenhänge in ruhiger, klarer Sprache seriös erklärt, so daß jeder die Hintergründe einsehen und verstehen kann, um sich sein eigenes Bild machen zu können.

Doch das Buch bleibt nicht bei Aufklärung stehen. Schon gar nicht hält es sich mit allzu billigen Schuldzuweisungen oder fruchtlosen Systemüberlegungen auf, sondern geht nach den Hintergründen direkt auf den Lesenden, dessen Situation und Denken ein. Es dringt schonungslos dazu durch, wie wir letztendlich alle selbst dafür verantwortlich sind, wie wir hier in diesem Land zusammenleben, zusammenarbeiten, wirtschaften und welche Politik und Kultur daraus resultieren. Ganz langsam und leise, hintergründig aber dafür umso durchschlagender, als eigene unmittelbare Erfahrung, scheint beim Lesen ein viel größeres Bild durch die Zeilen hindurch: Wo wir heute sind, jeder für sich und alle zusammen: In welchem unnötigen, leidvollen, selbstgeschaffenem Sklavendasein, das auch noch ständig vertuscht und abgeleugnet werden muß, um die Wahrheit nicht so schmerzlich zu fühlen. Doch sich darüber klarzuwerden ist unumgänglich für den nächsten Schritt: Nämlich mitzugehen und zu sehen, wo wir stattdessen sein könnten. In einem lebenswerten, wertvollen, liebevollen Leben, geprägt von echten Werten, Würde und Freiheit.

Teils humorvoll, teils philosophisch, teils beißend scharf, mit tiefgehendem Klarblick, stets klar und verständlich. Mit einer Unmasse weiterführender Referenzen, Bezügen und Internet-Links, griffig, gut zu lesen, angenehmes Format. Völlig unabhängig erzeugt und geschrieben, ohne jegliches geistiges Abstützen auf etablierte Systeme. Der Autor baut nur auf den Mensch allein, auf die Kraft und unabhängige Denkfähigkeit seines Lesers. Ein Buch, das nichts beim Alten läßt, das verwandelt. Ein echter Geheimtipp!

Das Neue: P2P und Netzwerke statt Hierarchie

In vielen unterschiedlichen Bereichen sind neue Entwicklungen zu Netzwerkstrukturen erkennbar, besonders dort, wo zentralisierte, große hierarchische Strukturen an ihre Grenzen stoßen und Krankheitssymptome erzeugen. Zu den neuen Bereichen und alternativen Entwicklungen gehören z.B. Rückbesinnung auf lokale Lebensmittelproduktion statt riesiger Transport- und Verteilungslogistik, überhaupt Stärkung von lokaler Wirtschaft, dezentrale Energieerzeugung statt zentraler Großkraftwerke (Solar, Erdwärme, Blockheizkraftwerk, usw.). Auch Entwicklungen auf ganz anderen Gebieten können im weiteren Sinne dazugezählt werden: Web2.0 mit selbsterzeugten Inhalten wie z.B. Blogs oder Videos, Internetplattformen zur Vermittlung von Peer-to-Peer-Krediten, Tauschringe, Selbsthilfegruppen, Bürgerinitiativen, Flashmobs, usw.

Beispiel: P2P und Musikindustrie

Die Auswirkungen und neuen Entwicklungen von Netzwerkstrukturen laufen nicht ohne Reibungen ab, sondern führen zwangsläufig zu Spannungen mit etablierten, hierarchischen bzw. zentralisierten Systemen. Beim Beispiel von Filesharing, also Dateiaustausch zwischen Nutzern, wurden bestehende Distributionsstrukturen unterlaufen. Film- und Musikdateien wurden illegal weitergegeben, unter Nichtbeachtung des Kopierrechts.
Doch auch alle juristischen Auseinandersetzungen konnten nichts am Erfolg von Filesharing-Programmen ändern. Einige System wurden abgeschaltet oder gewaltsam unbrauchbar gemacht, während auf der anderen Seite hierarchische Strukturen von Medienfirmen und deren Distributoren Einbußen hinnehmen mußten.

Nach diesen Verlusten auf beiden Seiten kam es zu dauerhafteren Veränderungen. Z.B. wurden neue, stabilere Filesharing-Programme entwickelt, auch im Medienvertrieb sind neue Strukturen entstanden: z.B. Internetverkauf einzelner Musikdateien, BitTorrent-Downloads zur serverentlastenden, legalen Weitergabe großer Dateien (z.B. Download von OpenOffice). Mittlerweile gibt es sogar eine neue Generation von Künstlern, die sich gezielt direkt über Internet an ihr Publikum wenden und hierarchische Verteilungsstellen (Plattenfirmen, Agenten, usw.) meiden, um nach eigenen Aussagen ihre künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren.

P2P-Geld und Geldmonopol

Genauer betrachtet ist heutiges Staatsgeld das fundamentalste, zentralisierte System überhaupt. Wortwörtlich jeder ist darin involviert. Die Durchsetzung des Monopols der Gelderzeugung unterliegt dabei dem Gewaltmonopol des Staates. Während das sog. Gewaltmonopol eine wichtige Errungenschaft eines demokratischen Rechtsstaats darstellt, ist das beim Geldmonopol nicht einzusehen. Welcher wirtschaftliche oder sonstige vertretbare Grund spricht für das Geldmonopol?

Beim Nachsuchen bin ich tatsächlich auf keine einzige formulierte Begründung für das Geldmonopol gestoßen – eher Schweigen und Dunkelheit. Vielleicht kann mich auch noch jemand aufklären? Diese Einrichtung geht mindestens zurück bis zum römischen Kaiserreich und stammt zuletzt noch aus feudalistischen Zeiten, als Feudalherren das Münzprägerecht innehatten. Mehr als ein überholtes „Gewohnheitsrecht“ kann ich nicht erkennen.

Wieso kann es nicht auch anderes Geld geben? Könnte nicht jeder ein eigenes Geld herausgeben, so wie jeder auf dem Markt Waren und Dienstleistungen frei anbieten kann? Sollten nicht die Marktteilnehmer entscheiden können über die Qualität eines Geldes? Ich bin mir sicher, daß das Staatsmonopolgeld hier jeden Wettbewerb verlieren würde. Wer will schon weiter Monopoly-Papier-Spielgeld, wenn er auch Edelmetalle bzw. voll wertgedecktes Geld haben kann, oder wenn er bei Bitcoin kostenlose Überweisungen und Wertbestand durch garantierte Nichtvermehrbarkeit in einem haben kann. Was spricht also gegen einen Wettbewerb zwischen verschiedenen Formen von Geld?

Geld ist eine Erfindung

Unser heutiges Geld, ohne jeglichen inneren Wert, ist eigentlich nur eine Erfindung, ein geistiger Kunstgriff. Das funktioniert nur noch, weil die meisten daran glauben, dieses Geld sei etwas wert, weil es im Supermarkt immer noch Essen dafür gibt.
Dabei gibt es gar kein „Geld“ an sich. Geld ist nur ein Wirtschaftsgut wie jedes andere Gut auch. Das einzig Besondere an Geld ist, daß es sich besonders gut tauschen läßt. Oder andersherum: Jedes Gut, das sich gut tauschen läßt, eignet sich grundsätzlich als Geld. Das ist bekannt aus Krisenzeiten, wenn plötzlich Schnaps und Zigaretten zu Geld werden. Ob das Gut angenommen wird oder nicht und sich als Geld bewährt, entscheidet der Markt.

Was rechtfertigt die besondere Behandlung, Unmengen an Gesetzen und Regelungsmaßnahmen für ein an sich wertloses Tauschgut? Da könnte der Staat auch ein beliebiges anderes Gut derart vereinnahmen und mit Gesetzen überziehen, z.B. Parfümflakons oder Autoreifen. Was passiert, wenn Güter und Produktion totaler staatlicher Planung und Kontrolle unterliegen, sollte jedem spätestens mit der DDR klargeworden sein. Unsere Lage im Geldmonopol ist dagegen so: Statt aller Güter und Produktion wird nur noch das universale Tauschgut staatlich festgelegt und kontrolliert. Ist das ein großer Unterschied?

Das Geldmonopol steht und fällt mit dem Verständnis davon, was der „Staat“ ist. In obrigkeitsgläubigem Denken ist der Staat soetwas wie eine handelnde und verantwortliche Instanz, die v.a. mehr weiß und kann als ich als einzelner. Doch im Grundgesetz steht: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Der Staat ist nur das Ausführungsorgan des Volkswillens. Es kommt also darauf an, was jeder einzelne will. Doch einen echten Willen kann nur haben, wer auch versteht, was sein Handeln oder Unterlassen bewirkt.

Die Antithese zum Bestehenden und ein möglichst friedlicher Wechsel

Mit Bitcoin kann jeder eine dezentrale, selbstorganisierende Währung nutzen, die unabhängig von jeglicher Einflußnahme funktioniert. Niemand kann das System betrügen, korrumpieren oder beherrschen. Dazu müßte schon das ganze Internet abgeschaltet oder derart massiv eingeschränkt werden, daß es nichts mehr mit dem heutigen Internet zu tun hat.

Ein System wie Bitcoin ist geradezu die Antithese eines Monopols, das durch und durch auf hierarchisches Denken und Funktionieren ausgelegt ist und es geradezu als Selbstverständnis internalisiert hat. Wird mit dezentralen Ansätzen diese Gegenthese ausgesprochen, muß das System wie ein Tier im Überlebenskampf reagieren, alle Kräfte einsetzend. Deswegen können Neuerungen wie Bitcoin oder andere Ansätze für Marktgeld zu großen Verwerfungen, Machtaufgeboten und Umbrüchen führen. Der Vergleich mit dem Beispiel der Musikindustrie ist dabei verschwindend harmlos.

Deswegen ist es wichtig, den Zusammenbruch und ein paar mögliche Abläufe grundlegend zu verstehen.
Das derzeitige Geldsystem ist mit seiner Schuldenbasiertheit fehlkonstruiert, so daß es schon ganz allein aus sich heraus zusammenfallen muß, allein schon aufgrund des exponentiellen Wachstums des Zinseszinseffekts der Schulden, so wie jede ungedeckte Scheinwährung in der Geschichte der Menschheit bis heute zusammengebrochen ist.
Der Niedergang des Geldsystems ist weder ein Projekt und noch weniger die „Schuld“ von alternativen Ansätzen, noch vom „Kapitalismus“ oder „gierigen Managern“. Keiner dieser aufgebauten Schuldigen braucht bekämpft zu werden. Umgekehrt braucht auch das Schuldgeldsystem nicht bekämpft werden. Das ist wichtig, sich klarzumachen, denn die zu erwartende Medienverlautbarungen werden alle Register ziehen und auf allen Seiten als Kampfansagen geäußert werden. Verwirrung ist geradezu das Allheilmittel für ein zentrales System, das dann wieder erstarken und von oben herab „Ordnung schaffen“ kann.

Es reicht zu verstehen, was besser ist. Einfach schon jetzt die Möglichkeiten ausloten, für sich selbst entscheiden und nötige Änderungen vollziehen, wo es möglich ist und den Rest vorbereiten.

Marktgeldansätze wie Bitcoin sind Entwicklungen, um Alternativen anbieten zu können, die während oder nach einem Zusammenbruch des momentanen Systems infrage kommen. Aus der Politik kennt man ja gerade Floskeln wie „alternativlos“. Von dort ist also nichts zu erwarten als ein Neustart des Scheingeldsystems. Dann aber sehr wahrscheinlich mit neuen restriktiveren Maßnahmen und weitreichender Kontrolle, etwa Bargeldabschaffung und Einführung von digitalen Bezahlkartenzwang. Propagiert würde das wahrscheinlich als Sicherheit für die Bürger und Schutz gegen neuerliche Zusammenbrüche, wohingegen die Praxis eine weitere Ausweitung von Datenerhebung, Staatskontrolle, empfindliche Einschränkung von Freiheitsrechten und weitere beliebige Geldvermehrung wäre. – In diesem Zusammenhang muß klar gesagt werden: Freier Handel (nicht staatsüberwacht und kontrollierter) und Bargeld sind sehr wichtige, freiheitliche Errungenschaften, die keinesfalls eingeschränkt oder abgeschafft werden dürfen – auch wenn noch soviele Argumente dagegen erfunden und angeführt werden.

Wenn schon digitales Geld, dann eine transparente, frei einsehbare Entwicklung. Keinesfalls ein staatliches System, von irgendwelchen „Experten“ entwickelt. Hier bietet Bitcoin schon heute die funktionierende Möglicheit, anonymes, bargeldähnliches Bezahlen auch digital im Internet zu gewährleisten. Von keinen Partikularinteressen kontrolliert, sondern als offen einsehbares Konzept und System (Open Source). Alle wichtigen technischen Standards sind ebenso offen einsehbar und von vielen Augen geprüft. Bei einem freiheitlichen Geldsystem und jedem Marktgeld ist eine solche Transparenz Voraussetzung dafür, daß es von „Kunden“ überhaupt akzeptiert wird. Niemand wird zukünftig mehr die Katze im Sack kaufen, so wie beim heutigen Geldsystem gezwungenermaßen.

Solange der Fall und der entscheidende Momente bevorsteht, ist jetzt noch Zeit, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und das Kommende zu verstehen. Bitcoin installieren, ausprobieren und mehr verstehen kann dazu beitragen.

Bitcoin im Keiser Report

Auch wenn das fast schon wieder alt ist, wollte ich das doch noch nachreichen:

Bitcoin wird erwähnt im Zusammenhang mit den Verweigerungen von Paypal, Visa, Mastercard und Amazon gegenüber Wikileaks. Tenor: „Mit Bitcoin wäre das nicht passiert“.

Hier der Ausschnitt aus dem Keiser Report Nr. 106: Cables, Crises & Cyber Currencies