Freies Geld

Bitcoin, Wert, Freiheit

Schlagwort-Archiv: P2P

Das Neue: P2P und Netzwerke statt Hierarchie

In vielen unterschiedlichen Bereichen sind neue Entwicklungen zu Netzwerkstrukturen erkennbar, besonders dort, wo zentralisierte, große hierarchische Strukturen an ihre Grenzen stoßen und Krankheitssymptome erzeugen. Zu den neuen Bereichen und alternativen Entwicklungen gehören z.B. Rückbesinnung auf lokale Lebensmittelproduktion statt riesiger Transport- und Verteilungslogistik, überhaupt Stärkung von lokaler Wirtschaft, dezentrale Energieerzeugung statt zentraler Großkraftwerke (Solar, Erdwärme, Blockheizkraftwerk, usw.). Auch Entwicklungen auf ganz anderen Gebieten können im weiteren Sinne dazugezählt werden: Web2.0 mit selbsterzeugten Inhalten wie z.B. Blogs oder Videos, Internetplattformen zur Vermittlung von Peer-to-Peer-Krediten, Tauschringe, Selbsthilfegruppen, Bürgerinitiativen, Flashmobs, usw.

Beispiel: P2P und Musikindustrie

Die Auswirkungen und neuen Entwicklungen von Netzwerkstrukturen laufen nicht ohne Reibungen ab, sondern führen zwangsläufig zu Spannungen mit etablierten, hierarchischen bzw. zentralisierten Systemen. Beim Beispiel von Filesharing, also Dateiaustausch zwischen Nutzern, wurden bestehende Distributionsstrukturen unterlaufen. Film- und Musikdateien wurden illegal weitergegeben, unter Nichtbeachtung des Kopierrechts.
Doch auch alle juristischen Auseinandersetzungen konnten nichts am Erfolg von Filesharing-Programmen ändern. Einige System wurden abgeschaltet oder gewaltsam unbrauchbar gemacht, während auf der anderen Seite hierarchische Strukturen von Medienfirmen und deren Distributoren Einbußen hinnehmen mußten.

Nach diesen Verlusten auf beiden Seiten kam es zu dauerhafteren Veränderungen. Z.B. wurden neue, stabilere Filesharing-Programme entwickelt, auch im Medienvertrieb sind neue Strukturen entstanden: z.B. Internetverkauf einzelner Musikdateien, BitTorrent-Downloads zur serverentlastenden, legalen Weitergabe großer Dateien (z.B. Download von OpenOffice). Mittlerweile gibt es sogar eine neue Generation von Künstlern, die sich gezielt direkt über Internet an ihr Publikum wenden und hierarchische Verteilungsstellen (Plattenfirmen, Agenten, usw.) meiden, um nach eigenen Aussagen ihre künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren.

P2P-Geld und Geldmonopol

Genauer betrachtet ist heutiges Staatsgeld das fundamentalste, zentralisierte System überhaupt. Wortwörtlich jeder ist darin involviert. Die Durchsetzung des Monopols der Gelderzeugung unterliegt dabei dem Gewaltmonopol des Staates. Während das sog. Gewaltmonopol eine wichtige Errungenschaft eines demokratischen Rechtsstaats darstellt, ist das beim Geldmonopol nicht einzusehen. Welcher wirtschaftliche oder sonstige vertretbare Grund spricht für das Geldmonopol?

Beim Nachsuchen bin ich tatsächlich auf keine einzige formulierte Begründung für das Geldmonopol gestoßen – eher Schweigen und Dunkelheit. Vielleicht kann mich auch noch jemand aufklären? Diese Einrichtung geht mindestens zurück bis zum römischen Kaiserreich und stammt zuletzt noch aus feudalistischen Zeiten, als Feudalherren das Münzprägerecht innehatten. Mehr als ein überholtes „Gewohnheitsrecht“ kann ich nicht erkennen.

Wieso kann es nicht auch anderes Geld geben? Könnte nicht jeder ein eigenes Geld herausgeben, so wie jeder auf dem Markt Waren und Dienstleistungen frei anbieten kann? Sollten nicht die Marktteilnehmer entscheiden können über die Qualität eines Geldes? Ich bin mir sicher, daß das Staatsmonopolgeld hier jeden Wettbewerb verlieren würde. Wer will schon weiter Monopoly-Papier-Spielgeld, wenn er auch Edelmetalle bzw. voll wertgedecktes Geld haben kann, oder wenn er bei Bitcoin kostenlose Überweisungen und Wertbestand durch garantierte Nichtvermehrbarkeit in einem haben kann. Was spricht also gegen einen Wettbewerb zwischen verschiedenen Formen von Geld?

Geld ist eine Erfindung

Unser heutiges Geld, ohne jeglichen inneren Wert, ist eigentlich nur eine Erfindung, ein geistiger Kunstgriff. Das funktioniert nur noch, weil die meisten daran glauben, dieses Geld sei etwas wert, weil es im Supermarkt immer noch Essen dafür gibt.
Dabei gibt es gar kein „Geld“ an sich. Geld ist nur ein Wirtschaftsgut wie jedes andere Gut auch. Das einzig Besondere an Geld ist, daß es sich besonders gut tauschen läßt. Oder andersherum: Jedes Gut, das sich gut tauschen läßt, eignet sich grundsätzlich als Geld. Das ist bekannt aus Krisenzeiten, wenn plötzlich Schnaps und Zigaretten zu Geld werden. Ob das Gut angenommen wird oder nicht und sich als Geld bewährt, entscheidet der Markt.

Was rechtfertigt die besondere Behandlung, Unmengen an Gesetzen und Regelungsmaßnahmen für ein an sich wertloses Tauschgut? Da könnte der Staat auch ein beliebiges anderes Gut derart vereinnahmen und mit Gesetzen überziehen, z.B. Parfümflakons oder Autoreifen. Was passiert, wenn Güter und Produktion totaler staatlicher Planung und Kontrolle unterliegen, sollte jedem spätestens mit der DDR klargeworden sein. Unsere Lage im Geldmonopol ist dagegen so: Statt aller Güter und Produktion wird nur noch das universale Tauschgut staatlich festgelegt und kontrolliert. Ist das ein großer Unterschied?

Das Geldmonopol steht und fällt mit dem Verständnis davon, was der „Staat“ ist. In obrigkeitsgläubigem Denken ist der Staat soetwas wie eine handelnde und verantwortliche Instanz, die v.a. mehr weiß und kann als ich als einzelner. Doch im Grundgesetz steht: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Der Staat ist nur das Ausführungsorgan des Volkswillens. Es kommt also darauf an, was jeder einzelne will. Doch einen echten Willen kann nur haben, wer auch versteht, was sein Handeln oder Unterlassen bewirkt.

Die Antithese zum Bestehenden und ein möglichst friedlicher Wechsel

Mit Bitcoin kann jeder eine dezentrale, selbstorganisierende Währung nutzen, die unabhängig von jeglicher Einflußnahme funktioniert. Niemand kann das System betrügen, korrumpieren oder beherrschen. Dazu müßte schon das ganze Internet abgeschaltet oder derart massiv eingeschränkt werden, daß es nichts mehr mit dem heutigen Internet zu tun hat.

Ein System wie Bitcoin ist geradezu die Antithese eines Monopols, das durch und durch auf hierarchisches Denken und Funktionieren ausgelegt ist und es geradezu als Selbstverständnis internalisiert hat. Wird mit dezentralen Ansätzen diese Gegenthese ausgesprochen, muß das System wie ein Tier im Überlebenskampf reagieren, alle Kräfte einsetzend. Deswegen können Neuerungen wie Bitcoin oder andere Ansätze für Marktgeld zu großen Verwerfungen, Machtaufgeboten und Umbrüchen führen. Der Vergleich mit dem Beispiel der Musikindustrie ist dabei verschwindend harmlos.

Deswegen ist es wichtig, den Zusammenbruch und ein paar mögliche Abläufe grundlegend zu verstehen.
Das derzeitige Geldsystem ist mit seiner Schuldenbasiertheit fehlkonstruiert, so daß es schon ganz allein aus sich heraus zusammenfallen muß, allein schon aufgrund des exponentiellen Wachstums des Zinseszinseffekts der Schulden, so wie jede ungedeckte Scheinwährung in der Geschichte der Menschheit bis heute zusammengebrochen ist.
Der Niedergang des Geldsystems ist weder ein Projekt und noch weniger die „Schuld“ von alternativen Ansätzen, noch vom „Kapitalismus“ oder „gierigen Managern“. Keiner dieser aufgebauten Schuldigen braucht bekämpft zu werden. Umgekehrt braucht auch das Schuldgeldsystem nicht bekämpft werden. Das ist wichtig, sich klarzumachen, denn die zu erwartende Medienverlautbarungen werden alle Register ziehen und auf allen Seiten als Kampfansagen geäußert werden. Verwirrung ist geradezu das Allheilmittel für ein zentrales System, das dann wieder erstarken und von oben herab „Ordnung schaffen“ kann.

Es reicht zu verstehen, was besser ist. Einfach schon jetzt die Möglichkeiten ausloten, für sich selbst entscheiden und nötige Änderungen vollziehen, wo es möglich ist und den Rest vorbereiten.

Marktgeldansätze wie Bitcoin sind Entwicklungen, um Alternativen anbieten zu können, die während oder nach einem Zusammenbruch des momentanen Systems infrage kommen. Aus der Politik kennt man ja gerade Floskeln wie „alternativlos“. Von dort ist also nichts zu erwarten als ein Neustart des Scheingeldsystems. Dann aber sehr wahrscheinlich mit neuen restriktiveren Maßnahmen und weitreichender Kontrolle, etwa Bargeldabschaffung und Einführung von digitalen Bezahlkartenzwang. Propagiert würde das wahrscheinlich als Sicherheit für die Bürger und Schutz gegen neuerliche Zusammenbrüche, wohingegen die Praxis eine weitere Ausweitung von Datenerhebung, Staatskontrolle, empfindliche Einschränkung von Freiheitsrechten und weitere beliebige Geldvermehrung wäre. – In diesem Zusammenhang muß klar gesagt werden: Freier Handel (nicht staatsüberwacht und kontrollierter) und Bargeld sind sehr wichtige, freiheitliche Errungenschaften, die keinesfalls eingeschränkt oder abgeschafft werden dürfen – auch wenn noch soviele Argumente dagegen erfunden und angeführt werden.

Wenn schon digitales Geld, dann eine transparente, frei einsehbare Entwicklung. Keinesfalls ein staatliches System, von irgendwelchen „Experten“ entwickelt. Hier bietet Bitcoin schon heute die funktionierende Möglicheit, anonymes, bargeldähnliches Bezahlen auch digital im Internet zu gewährleisten. Von keinen Partikularinteressen kontrolliert, sondern als offen einsehbares Konzept und System (Open Source). Alle wichtigen technischen Standards sind ebenso offen einsehbar und von vielen Augen geprüft. Bei einem freiheitlichen Geldsystem und jedem Marktgeld ist eine solche Transparenz Voraussetzung dafür, daß es von „Kunden“ überhaupt akzeptiert wird. Niemand wird zukünftig mehr die Katze im Sack kaufen, so wie beim heutigen Geldsystem gezwungenermaßen.

Solange der Fall und der entscheidende Momente bevorsteht, ist jetzt noch Zeit, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und das Kommende zu verstehen. Bitcoin installieren, ausprobieren und mehr verstehen kann dazu beitragen.

Bitcoin intern: Peer-to-Peer (P2P)

Bitcoin ist eine sehr intelligente Kombination unterschiedlicher Konzepte, die sich alle gegenseitig ergänzen und unterstützen. „Bitcoin intern“ geht hier ein wenig mehr ins Detail.

Eine der wichtigsten Eigenschaften ist die dezentrale Funktionsweise. Das Konzept dahinter wird „Peer-to-Peer“ genannt, auf deutsch etwa „Verbindung zwischen Gleichgestellten“.

Internetversierte sind evtl. schon vertraut mit Namen wie Filesharing, Napster, BitTorrent, usw. und können den Abschnitt überspringen.
Peer-to-Peer läßt sich leicht mit einer Analogie verstehen: Das „Netzwerk“ zwischen Bekannten. Jeder kennt eine bestimmte, aber begrenzte Anzahl von Menschen. Diese kennen wiederum andere. Über ein paar Zwischenstationen ist so jeder Mensch mit jedem anderen auf der Welt verbunden. Die gleiche Idee steckt hinter Peer-to-Peer Netzwerken.

Netzwerke

Doch zunächst: Prinzipiell ist ein Internetanschluß eine Art Verbindungsrohr, das zu Millionen anderen Rechnern führt. Für die Verbindung ist nur noch die entfernte Adresse nötig.

Das alte Modell: Client-Server

Client-Server-Modell

Client-Server-Modell

Das bisher am weitesten verbreitete Modell im Netzwerk heißt „Client-Server“, also etwa Kunde und Diener (Diensterbringer). Als Benutzer verwendet ich ein Client-Programm, um mich mit einem Server zu verbinden und ihn zu nutzen. Z.B um diese Seite hier zu lesen einen Browser für Server im WWW, oder ein Emailprogramm für Emailserver, FTP-Programm für Dateiserver, andere Programme für Chatserver, Spielserver, usw. Das nebenstehende Bild versucht, das zu veranschaulichen.

Es handelt sich immer um einen zentralisierten Aufbau. Aller Verkehr läuft nur zwischen dem Client und dem Server, es gibt keine direkten Verbindungen zwischen den Dienstnutzern. Um z.B. eine Email an jemanden zu senden, verbindet sich das Emailprogramm mit dem Server und legt die Email dort ab. Der Empfänger kann die Nachricht später von dort abholen. Direkte Verbindungen zwischen Sender und Empfänger sind nicht möglich.

Anschaulich ist das beim Schienensystem von Frankreich. Vor allem im Norden läuft jede Verbindung zwischen zwei Orten, die nicht auf derselben Linie liegen, zwangsläufig über Paris. Querverbindungen gibt es so gut wie nicht. Ein zentralisierter Aufbau.

Vorteile:

  • einfach zu verstehen und aufzubauen
  • einfache Kommunikation mit simplem Abfrage-Antwort-Schema. Der Client frägt, der Server antwortet.

Nachteile:

  • Flaschenhals-Effekt, also Gefahr von Staus und Überlastung bei hohem Verkehrsaufkommen.
  • Zentral organisierte Aufbauten sind nur schlecht auf Wachstum ausgelegt.
  • hohe Infrastrukturkosten an der zentralen Stelle (mächtige Server, vgl. große Bahnhöfe für Millionen von Reisende, vgl. einige wenige große Kraftwerke für die Energiversorgung eines ganzen Landes)
  • Fällt die Zentralstelle aus, bricht das gesamte Funktionieren zusammen.
  • abhängig von anderen, z.B. von Zahlungdiensten, Providern (vgl. Wikileaks), Energielieferanten, etc.
  • verwundbar durch relativ einfache Attacken (Denial-of-Service)

Das neue Modell: Peer-to-Peer

P2P

Peer-to-Peer-Netz

In einem P2P-Netzwerk kann jeder mit jedem kommunizieren. Es geht um die Vernetzung kleiner, an sich selbständiger Einheiten, die durch das Vernetzen einen Vorteil haben. Die teilnehmenden Einheiten lassen sich jetzt besser als Netzknoten beschreiben, weil sie alle über die gleichen Funktion verfügen und nicht mehr wie zuvor in oben/ unten, Zentrale/Peripherie unterscheidbar sind. Dabei übernimmt jeder Knoten gleichzeitig Funktionen als Server und als Client.

Jetzt bleibt nur noch die Aufgabe, die Adresse eines anderen Knotens zu finden bzw. einen anderen zu adressieren. Die meisten Peer-to-Peer-Netzwerke haben dabei eine eigene Lösung speziell für ihre Anwendung. Bei Bitcoin laufen Transaktionen zwischen Bitcoin-Adressen. Bei einer Nachrichten-Software könnte es über Benutzernamen oder Emailadressen laufen.

P2P-Nachricht

Nachricht in P2P-Netz

Um andere Adressen zu finden, könnte einfach auf einem Rechner eine öffentliche Liste geführt werden, ähnlich wie ein Telefonbuch. Aber damit wäre das System wieder zentralisiert und von dieser Stelle abhängig. Die neue Idee bei echten, unabhängigen Peer-to-Peer-Netzen ist eine Art Flüsterpost. Jeder Knoten verbindet sich technisch gesehen nur mit einer kleinen Zahl von anderen Knoten. Bei Bitcoin sind das typischerweise acht. Über diese Anschlußknoten ist ein laufendes Bitcoin-Programm mit dem gesamten Netzwerk verbunden, genau wie ein Mensch über Bekannte mit allen anderen Menschen verbunden ist. Jeder Knoten hat dabei eine einfache Aufgabe: Eine erhaltene Nachricht von einem Knoten wird an die übrigen weitergeleitet, sofern sie noch unbekannt ist. Doppelt erhaltene Nachrichten werden einfach ignoriert. Auf diese Weise verteilen sich Nachrichten in kürzester Zeit im ganzen Netz, und das mit wenig Aufwand für die einzelnen Knoten.

Vorteile:

  • dezentral
  • konfigurationsfrei/selbstkonfigurierend – keine komplizierten Einstellungen wie z.B. bei Mailprogrammen
  • Netzwerk kann beliebig wachsen und sich in der Struktur ändern
  • gleichbleibender Aufwand für einen Knoten, unabhängig von der Anzahl der Netzteilnehmer
  • Ausfallsicherheit/Selbstheilung – keine Serverausfälle möglich; wenn einzelne Knoten ausfallen, funktioniert das System trotzdem weiter
  • Ermöglichung von freiheitlichen Anwendungen, ohne Abhängigkeit vom Funktionieren hierarchisch strukturierter Systeme. Es ist nicht mehr nötig, die Netzwerkbelastung (auf Dienstebene) zu überwachen oder zu kontrollieren.

Nachteile:

  • Software komplizierter zu programmieren und zu testen
  • neue, noch wenig untersuchte Technologie

Detail: Bootstrapping – An den eigenen Haaren aus dem Sumpf…

Nach dem Starten kennt die Bitcoin-Software noch keine Partnerknoten. Dafür gibt es einen sog. Bootstrapping-Mechanismus, also eine erste Möglichkeit, um von Null anzufangen und an Adressen von Peers zu kommen. Für größere Ausfallsicherheit benutzt Bitcoin mehrere unterschiedliche Methoden.

1. Zuerst versucht die Bitcoin-Software sich auf einen IRC-Kanal zu verbinden, also auf einen Chatserver. Dort wählen sich alle Bitcoin-Installationen ein und codieren ihre IP-Adresse im Anmeldenamen. Die anderen anwesenden Knoten können diese codierten Namen in IP-Adressen zurückrechnen und sich so direkt mit den anderen Knoten verbinden.

2. Bitcoin führt intern eine Liste aller IP-Adressen, von denen es im Betrieb erfahren hat. Sollte der IRC-Kanal nicht erreichbar sein, wird auf diese Liste zurückgegriffen, was etwas langsamer sein kann, aber genauso funktioniert. Sobald ein Knoten zum Netzwerk hinzukommt, versendet er sog. Addr-Nachrichten im Netzwerk, um andere zu benachrichtigen, die sich seine Adresse merken können.

3. Die interne Adressenliste ist vorab befüllt mit einigen bekannten Knoten, die auf der ganzen Welt verteilt sind und von Bitcoin-Enthusiasten rund um die Uhr betrieben werden. So können sich auch frisch installierte Programme verbinden, falls der IRC-Kanal nicht erreichbar ist.

Peer-to-Peer: Ripple

Ich überlegte mir schon eine Weile, wie sich das Peer-to-Peer-Konzept (P2P) anschaulich darstellen läßt. Da kommt mir ein sehr interessantes Fundstück zu Hilfe: Ripple, ein Peer-to-Peer-Bezahlsystem im Internet (eine Art freies „P2P-Paypal“), das einem jahrhundertealten Geldtransfersystem nachempfunden ist (siehe Ursprung/Hawala weiter unten).

Gegenüberstellung: zentral - dezentral

Client-Server | Peer-to-Peer

Genauer gesagt geht es bei Ripple um den Spezialfall eines Friend-to-Friend (F2F)-Netzwerks. D.h. es tauschen sich nicht einfach nur Gleichberechtigte (Peers) miteinander aus, sondern es verbinden sich nur Bekannte miteinander und bilden so ein Vertrauensnetzwerk. Vergleichbar ist das mit aktuellen sozialen Netzwerken. Dort gibt es meistens eine Funktion, mit der sich herausfinden läßt, über wieviele „Zwischen-Bekanntschaften“ ein beliebiger Teilnehmer mit einem anderen verbunden ist. Bestehen zwischen den Vermittlern in der Kette tatsächliche Vertrauensbeziehungen, läßt sich das nutzen, um Geld vertrauenswürdig weiterzureichen bis zum Empfänger, zu dem der Sender u.U. keine direkte Vertrauensbeziehung hat. Auf dieser Idee fußt Ripple. Eigentlich ist es sogar noch einfacher: Für die Zwischenstationen genügt es, lediglich Zahlungsverpflichtungen weiterzureichen. Bei größerem Aufkommen können diese dann irgendwann direkt miteinander verrechnet werden, ohne daß noch Geld ausgetauscht werden muß. Ab diesem Zeitpunkt dient Ripple dann sogar als echte Alternativwährung, die zunehmend unabhängig wird von äußeren Währungen. Die Software läßt sich auf Internetservern installieren und funktioniert über eine Web-Oberfläche. Sie übernimmt insbesondere die Arbeit, Pfade über Zwischenstationen aufzufinden und Forderungen miteinander zu verrechnen.

Ripple-Projekt:

Betrachtung

Vorteil: Ripple läßt sich sofort benutzen, ist von Währungen unabhängig, stärkt lokalen Austausch – könnte auch interessant sein für Bitcoin als Währungstauschplattform.

Nachteil: Praktisch werden immer noch bestehende Währungen genutzt. Als reines Transfersystem bietet es nur bedingt Schutz gegen Hyperinflation und Bargeldverbote und damit noch keine Alternative zu zentralistischem Staatsgeld, auch wenn es schon weiterhilft. Gegen Paypal-Frust hilft es allemal. – Der wichtigste fehlende Punkt ist, daß noch keine Vernetzung von einzelnen Ripple-Servern möglich ist. D.h. jede Ripple-Seite baut ihre eigenes Vertrauensnetzwerk auf. Das Peer-to-Peer-Konzept ist hier nur zwischen den Benutzern, also auf der logischen Ebene des Dienstes verwirklicht, technisch betrachtet folgt Ripple immer noch dem zentralistischen Ansatz mit einem Server, und ist damit zu leicht angreifbar.

Genau wie bei Bitcoin kam beim Ripple-Projekt die erste Version der Software 2009 heraus. Neue Währungen, dezentrales Geld, vernetzte Bezahlsysteme, Marktgeld sind eine nicht mehr aufzuhaltenden Idee und es ist spannend, diese Entwicklung mitzuverfolgen. Gerade wenn das derzeitige System aufgrund seines eigenen Gewichts und seiner Fehlkonstruktion zusammenbricht, und die Obrigkeit nur noch Richtung faschistischer Maßnahmen schielen kann, braucht es dringend Alternativen.

Ursprung: Hawala

Ripple wurde wie schon erwähnt einem der schnellsten und günstigsten Transfersysteme der Welt nachempfunden, das auch heute noch in großem Umfang funktioniert. In einige asiatische Kulturen ist es tief eingebettet und wird dort mit höchsten ethischen Ansprüchen unter gegenseitiger sozialer Kontrolle betrieben.
Bekannt ist es v.a. als Hawala in islamisch geprägten Ländern, Fei Chien oder Flying Money heißt es in China, Hundí in Indien und Pakistan.

Was noch kommt

Ob Ripple, Bitcoin, c-Gold, etc. Egal welche Alternativen Fahrt aufnehmen, es steigt immer dem aktuellen System auf die Füße und das wird sich wehren. Deswegen ist es wichtig, die altbekannten Maschen der Propaganda zu erkennen und als manipulativ zu durchschauen: Zuerst werden negativ besetzte Schlagwörter aus dem Hut gezogen (Kriminalität, Geldwäsche, Drogenhandel, Terrorismus, etc.), mit denen Ablehnung und eine unterschwellige trotzige Reaktion ausgelöst werden sollen, die zuerst einmal vom Manipulierenden und dessen Interessen ablenkt. Weiter soll der Empfänger in seiner Reaktion so denken: „Ich bin ein anständiger Bürger, der nichts zu verbergen hat. Dem Übel muß das Handwerk gelegt werden, also soll der Staat diese undurchsichtigen, unüblichen,  illegalen Handlungssweisen und -wege zerschlagen.“ – der Rest ist bekannt. Ähnliche Schmutzkampagnen werden bestimmt noch verstärkt kommen, auch gegen das Internet im Allgemeinen. Eines der beliebtesten „Argumente“ ist hier ja Kinderpornographie,aber auch Terrorismus und Kriminalität wird gern genommen, oder gleich solche abstrusen Denkblocker wie rechtsfreier Raum.

Video

Überblick zu Ripple und ein Minimum an Geldtheorie (neuseeländisches Englisch):